Facebook-Studie zeigt Diskrepanzen von CSU zu Grünen und Überschneidungen zur AfD

Bayern vor der Zwangsehe?

Wird Bayern tatsächlich schwarz-grün? Glaubt man den Umfragen, so ist dies zumindest eine rechnerische Option. Eine Facebook-Untersuchung zur bevorstehenden bayerischen Landtagswahl der Big-Data-Analysten von Pragmatic Analytic Services (PAS), einer Initiative von komm.passion und Data Science Consulting, fragt nach der Passung der möglichen Partner. Denn die Gemeinsamkeiten der CSU- und Grünen-Wähler gerade in eher konservativ geprägten bayerischen Kleinstädten und auf dem Lande sind gering. Auch wenn es Söder & Co. nicht schmecken dürfte: Die Nähe der CSU-Basis zu AfD-Themen ist im Web eher größer.

Im sozialen Netzwerk Facebook hat PAS die Lebenswelten der Fans der CSU, Grünen und auch AfD untersucht und durch KI-Algorithmen entschlüsselt. Mit ihren Facebook-Likes offenbaren sie ihre Interessen. Im Detail: PAS hat sich angeschaut, wie die Fans der CSU und der Grünen in fünf beispielhaften bayerischen Kleinstädten zwischen 40.000 und 70.000 Einwohnern ticken. In Kontrast zu den rund 47.000 Facebook-Profilen im bundesdeutschen Vergleichspanel geben die Likes der insgesamt 3.100 analysierten bayerischen User dabei einen Einblick in ihre Lebenswelt.

Unter anderem mit von der Partie: die CSU-Basis aus Rosenheim. Hier treffen wichtige Autobahnen und Bahnstrecken aufeinander. So wurde der Rosenheimer Bahnhof vor allem 2016 auch zu einem Brennpunkt der Flüchtlingspolitik. Ein Thema, das die User beschäftigt: „afdrosenheim“ wird von unserer CSU-Testgruppe 35-mal häufiger geliked als vom Bundesdurchschnitt. Unter Facebook-Usern treten die Sympathien mit der AfD und dem, wofür sie steht, zum Teil offen und unverhohlen, zum Teil noch versteckt zu Tage. Unter den  Top-100-Likes überlappen sich CSU und AfD in dieser Untersuchung und begrenzten Zielgruppe zu 66 Prozent.

„Merkel muss weg!“

Aus Sicht vieler der untersuchten CSU-Fans sitzt der Gegner im Kanzleramt. Angela Merkel kommt in den sozialen Medien bei der bayerischen Landbevölkerung nicht gut weg. Ein Vergleich: Die Seite „merkelruecktrittjetzt“ ist hier doppelt so beliebt wie die offizielle Facebook-Präsenz der Kanzlerin. Auch in Bayern lässt sich – zumindest online – eine Entfremdung von der Kanzlerin und ihrer Politik beobachten: Polarisierende Themen scheinen zumindest temporär der Parteibasis im Internet insgesamt wichtiger zu sein als traditionell-konservative und christliche Werte.

Markus Söder und Horst Seehofer hingegen stehen bei ihren Facebook-Fans weiterhin hoch im Kurs: Seehofer ist bei den CSU-Fans mehr als 16-mal beliebter als im Bundesdurchschnitt, Söder kommt sogar auf den Faktor 23. Die Hahnenkämpfe der vergangenen Wochen haben ihnen offensichtlich, zumindest „zu Hause“ im Web, weniger geschadet.

Die AfD übt in der Onlinewelt eine gewisse Anziehung auf die CSU-Testgruppe aus. Facebook-Seiten wie „alternativefuerde“ und „AfDfuerNRW“ (obwohl anderes Bundesland) werden im Vergleich zum Bundesdurchschnitt fünf- bis zehnmal häufiger geliked. Dabei hat es den Untersuchten die Damenriege der „Alternative“ um Beatrix von Storch und Alice Weidel besonders angetan: Letztere ist hier im Vergleich fast zehnmal beliebter als beim Durchschnitts-User. Wenig überraschend: Auch die Pegida-Fanbase ist unter den CSU-Anhängern in kleinstädtischen Regionen Bayerns überproportional hoch. Sie wird auf Facebook sechsmal häufiger geliked als im Rest der Bundesrepublik.

Ein entspannter Fernsehabend stellt CSU-Anhänger vor ein Dilemma. Denn eigentlich schauen sie Formate wie „ZDF heute“ und Sendungen der Journalistin Dunja Hayali insgeheim doch ganz gern. Doch die Webanalyse zeigt: Die „Luegenpresse“ beschäftigt die CSU-Testgruppe fünfmal mehr als den deutschen Durchschnitts-User und macht Medienkonsum in seiner Polarität nicht unkompliziert.

Die neuen Grünen: Aktiver Widerstand

Und bei den Grünen? Prognosen deuten an, dass aktuell viele etablierte CSU-Wähler zu den Grünen abwandern. Die Lebenswelten der Facebook-Anhänger von CSU und Grünen zeigen dagegen: Sie haben kaum Gemeinsamkeiten. Das beginnt bei unverfänglichen Trivialitäten: CSU-Fans jubeln den Kickern des FC Bayern zu. Die Grünen-Basis findet Ex-Nationalspieler Mesut Özil viel cooler. CSU- und Grünen-Sympathisanten könnten sich nicht einmal auf ein Auto einigen, das sie zu gemeinsamen Veranstaltungen bringt. CSU-Fans bevorzugen Modelle von, na klar, BMW. Bei den Grünen sind Autos allgemein wenig relevant – maximal noch der französische Hersteller Renault.

Wie ticken die Facebook-Fans der Grünen in Bayern noch? Sie sind wahre Allrounder. So lassen sie zum Beispiel gern die schönen Künste auf sich wirken, stehen auf Ballett und Kultur. Das heißt aber nicht, dass sich grüne Facebook-User nur zurücklehnen und Andere machen lassen: Sie wollen mobilisieren, auf die Straße gehen. Besonders, wenn es gegen „Pegida“ geht. Seiten wie NoPegida erfreuen sich bei Freistaat-Grünen überdurchschnittlich hoher Beliebtheit. In diesem Zusammenhang erntet auch „ProAsyl“ in der Grünen-Testgruppe 15-mal so viel Zuspruch wie beim Durchschnittsbürger.

Bei so viel Aktivismus und Aktionismus stehen klassische grüne Themen wie Greenpeace,  Menschenrechte, Unicef und AntiAtomkraft bei ihren Facebook-Fans auch mal hintenan – zumindest zeitweise.

Auch in der Freizeit hat die grüne Basis im Netz einen gewissen Anspruch. Sie schmunzelt über Satire der „heute-show“, das „Titanic“-Magazin und den Kabarettisten Serdar Somuncu. Sich berieseln zu lassen, steht nicht zur Debatte. Denn mit Ausnahme der Kultserie „Two and a Half Men“ schauen Grünen-Fans am liebsten politische Formate wie „Frontal 21“ und „heute plus“ oder anspruchsvolle Spielfilme auf arte. Tier- und kinderlieb sind sie natürlich auch noch – wie sie mit ihrer Begeisterung für „4 Pfoten“ und „Äffle und Pferdle“ zeigen.

Große Lücken zwischen CSU- und Grünen-Basis auf Facebook

Wirklich einig werden sich die Facebook-Anhänger von CSU und Grünen nicht. Dafür klaffen bei entscheidenden Themen wie der Einstellung zur Zuwanderung Umwelt, Tierschutz & Co. zu große Lücken zwischen beiden Parteifronten.

Die AfD fischt mit polarisierenden Themen und Standpunkten gekonnt im CSU-Wählerbecken. Eines ist mit Blick auf Facebook-Fans von CSU und Grünen aber jetzt schon klar: Sollte am kommenden Sonntag eine schwarz-grüne Regierung möglich werden, dürfen wir uns auf spannende Debatten freuen – eine Liebesheirat wird es jedenfalls nicht.

Von Dr. Klaus Holthausen, CEO Data Science Consulting, und Prof. Dr. Alexander Güttler, CEO komm.passion

Hier Kontakt zum Autor aufnehmen!
Dr. Klaus Holthausen • CEO Data Science Consulting
Telefon: +49 (0)211.6 00 46-110
info(at)komm-passion(dot)de

Prof. Dr. Alexander Güttler • CEO
Telefon: +49 (0)211.6 00 46-110
alexander.guettler(at)komm-passion(dot)de