Hasselhoff, Hoax und Hyperkeit #rp14

What Money Can Buy

Die re:publica 2014 ist vorbei. Und was bleibt, ist das gute Gefühl, dass wir doch Recht hatten: Schauten wir als Kinder von unseren Eltern als Quatsch angesehene Serien mit sprechenden Autos, ist das mittlerweile Realität geworden. Unsere Autos werden intelligent, wenn auch (noch) nicht so intelligent wie der Knight Industries Two Thousand, so doch besser als der damalige Fahrer Michael Knight. Der war auf Einladung von F-Secure als Speaker bei der diesjährigen re:publica in Berlin, um seine Vision der Freiheit im Netz zu präsentieren: „I’ve been looking for digital freedom.“ Das Manifest selbst kann nun von allen Menschen gemeinsam geschrieben werden (auch von der NSA?) und ist passenderweise auf den Seiten von rp14-Sponsor F-Secure zu finden: http://campaigns.f-secure.com/digitalfreedom. Ein Schelm, wer das nur für eine geschickte Inszenierung der eigenen Produkte hält.

Irgendwas mit Looking for Freedom: The Hoff bei der re:publica.

Ja, The Hoff sorgt für ein volles Haus und ja, gesungen hat er leider auch.

Tweet des Tages:

Mist. #thehoff ist ja gar nicht das geile Auto, sondern der nutzlose Typ der immer drinsitzt ...#rp14

— H. Gottesmann (@powerpointen) 6. Mai 2014

 Jetzt haben wir also das Geld, uns die Idole unserer Kindheit für eine Veranstaltung einzukaufen, allein sollten wir das auch tun? Wollen wir wirklich im nächsten Jahr mit MacGyver aus Alltagsgegenständen sichere Router bauen?

Wobei: Warum eigentlich nicht, aber zunächst weiter mit der #rp14: Sascha Lobo forderte in seiner Rede zur Lage der Nation, dass wir nicht weiter glauben, uns durch kluges Reden für die Freiheit im Netz zu engagieren, sondern unser wichtigstes Kapital: Kapital. Ob der rote Bizarr dabei das Speaker-Honorar von David Hasselhoff im Kopf hatte? Vermutlich nicht. Sein Gedanke: Bezahlt endlich die Leute, die für Eure Freiheit kämpfen. Guter Gedanke. Felix Schwenzel antwortete mit „wie ich lernte die überwachung zu lieben“ darauf. Nein, er liebt die Überwachung nicht und er hielt eine der vielleicht besten Reden der re:publica hierzu, die man hier nachlesen sollte. Prädikat: Verdammt, hätte ich super gerne selber geschrieben.

Über die weiteren Sessions wurde schon viel geschrieben: Ja, irgendwie knuffig der Hoax, mit dem Google vorgeführt wurde. Aber viel wichtiger waren die vielen Sessions, in denen neue Projekte und Aktionen weltweit vorgestellt wurden. Der Track zu Gesundheitsthemen – rehealth – strotzte auch in diesem Jahr wieder nur so von klugen Insights und gewagten Blicken auf die Medizin der Zukunft. Apropos Zukunft: Auch über Cyborgs konnten wir viel lernen – leider auch, dass es nur ein Spaß der Speakerin war, dass sie ihre Stimme erfolglos mit Google Translate gekoppelt hat und deswegen ein wenig klang wie der Marlboro Man persönlich. Aber was die re:publica auch in diesem Jahr wieder ausgemacht hat, waren die großartigen Menschen, die man da 3 Tage lang treffen konnte. In den Augen unserer Eltern vermutlich alles Verrückte, aber im wahren Leben haben wir es mittlerweile alle halbwegs geschafft. Wir können uns nicht nur teure Elektronik, sondern sogar die Helden unserer Kindheit kaufen.

Für 2015 wünschen wir uns daher ein Ende der Hyperkeit: Lasst uns nicht nur in Postulaten sprechen! Lasst uns aktiv werden und einen professionellen Background schaffen. Wenn wir uns das Netz nicht zurückerobern können, dann kaufen wir es uns.

Guter Speaker mit „H“: Hakan Tanriverdi. Rechts daneben: Ole Reißmann. Das Video der Session ist in Deutschland wegen leichter Unstimmigkeiten zwischen GEMA und Youtube gesperrt. Immerhin 7,1 Mrd. Menschen außerhalb Deutschlands können es aber hier anschauen.