Wen interessiert schon Müll? Ganz schön viele!! Ein Nachbericht zur gestrigen Podiumsdiskussion

Was früher auf dem Sperrmüll landete, wird heute oft verkauft. Wo die Entsorgung von Elektroschrott früher Geld kostete, treiben Unternehmen heute damit Handel. Das Entsorgungssystem hat sich gewandelt – vom Bezahlen zum Verdienen. Klar, dass eine solche Entwicklung auch schwarze Schafe anzieht. Müll ist ein Geschäft, ein großes Geschäft. Allein in Deutschland fallen pro Jahr insgesamt 150.000 Tonnen Elektroschrott an. Die Verantwortung für die Entsorgung ist geteilt - zwischen Hersteller, Handel und der Entsorgungswirtschaft. Zudem gibt es zahlreiche Richtlinien und noch nicht einmal die genaue Abgrenzung zwischen Altgerät und Abfall ist geklärt.

Wer also denkt, für Müll interessiert sich niemand, der irrt.

Die Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik lud gestern zur finalen Veranstaltung ihrer Vortragsreihe „Unternehmensverantwortung kontrovers“. Titel der Veranstaltung „Elektrorecycling: der undurchsichtige Handel mit Wertstoffen“ – auf den ersten Blick etwas sperrig, doch Dank der spannenden Gäste Knut Sander (Ökopol), Klaus Hieronymi (Hewlett Packard) und Sven Winterberg (Stadtreinigung Hamburg) entstand eine spannende Diskussion. Gekonnt und kurzweilig moderierte Alexander Güttler (komm.passion) durch den Abend.

Wie funktioniert das Rücknahme- und Entsorgungssystem für Elektroaltgeräte heute und wo liegen die Schwachstellen? Welche neuen Lösungen wurden bereits ausprobiert? Wo liegt die Verantwortung der Akteure bzw. wo sollte sie liegen?

Fakt ist: Egal ob Altgeräte oder Elektroabfälle – will man sie loswerden, müssen sie entsorgt werden. Doch hier fehlt es oft an Service, denn nur insgesamt 5.000 Sammelstellen gibt es in Deutschland. Wohin also mit meinem alten Toaster, wenn ich samstags nicht ein bis zwei Stunden Zeit für den Recyclinghof opfern möchte? Für genau diese praktischen Probleme arbeitet z.B. die Stadtreinigung Hamburg ganz intensiv an kosteneffizienten Lösungen, die mit den rechtlichen Rahmenbedingungen im Einklang stehen – denn der Teufel steckt meist im Detail und viele gute Ideen – sind oft nicht umsetzbar, da die komplizierte Gesetzgebung sie bereits im Keim erstickt. So lassen sich kreative Ansätze aus dem Ausland, wie z.B. E-Waste-Parties (San Francisco) oder die Züricher Elektroschrott-Straßenbahn für Deutschland nur schwer adaptieren.

Spricht man im Bereich Elektroschrott von Entsorgung ist oft das Recyceln gemeint. So nehmen viele Hersteller Altware wieder zurück, denn dies ist bares Geld wert. Die Firma Hewlett Packard hat bereits in den 80er Jahren mit der Rücknahme begonnen. Hintergrund war nicht der Verkauf sondern es wurden schlicht und einfach Ersatzteile benötigt. Der Wert des Mülls liegt daher im Materialwert. So hat eine Tonne PCs (ca. 60 – 70 Stück) den stolzen Recyclingwert von ca. 1.000 €.

Der Markt ist da – sowohl der legale als auch der illegale – und der Müll passiert viele Hände auf dem Weg zur Verarbeitung. Eine Schwierigkeit, die zur Undurchsichtigkeit der Branche viel beiträgt. Ein Teil des Mülls wird in Deutschland weiterverwertet und entsorgt, ein anderer Teil geht ins Ausland. Afrikanische Länder gehören zu den Hauptabnehmern von Elektroschrott. Täglich brechen Containerschiffe in Richtung Afrika auf - beladen mit Müll. Dort angekommen gibt es drei Möglichkeiten des Umgangs:

-       die Weiterverarbeitung

-       die Reparatur bzw. das Extrahieren von Ersatzteilen

-       das Verbrennen, um das Metall vom Kunststoff zu trennen

Dies ruft sofort Bilder in den Kopf, Bilder von Kindern auf Müllhalden, die nach Altmetall suchen, um sich den einen Dollar pro Tag für das Überleben zu verdienen, oder Männer, die die giftigen Gase einatmen, die beim Verbrennen entstehen, um ihre Familie zu ernähren. Dieser Problematik müssen wir uns stellen und auch hier gibt es erste kleine Lösungsansätze, die das vorhandene System, das Müllnetzwerk, nutzen und finanzielle Anreize bieten, um die Müllentsorgung in diesen Ländern zu ordnen und schädliche Methoden einzudämmen – die im Übrigen auch nicht wirklich effektiv sind.

Es gibt viel zu tun – global und national, auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Aber es wird an vielen Dingen geschraubt, es existieren viele Ideen und der Abend zeigte, dass Müll, der von uns häufig so achtlos behandelt wird, durchaus viel Beachtung verdient.