Viele Views, keine Leads

Virales Obststand-Marketing

Seit Tagen rauscht das Bild von Susanne Pleier und ihrem Obststand durch die Sozialen Netzwerke und Medien. Die geniale und simple Adaption der Amazon-Mechanik "„Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, kauften auch ..."“ auf den analogen Verkaufsstand, brachte der sympathischen Wienerin viel Aufmerksamkeit. Der Einfall stammte dabei nicht von der 69-jährigen Power-Sellerin, die noch nie etwas bei Amazon ver- oder gekauft hat, sondern von Roman Kmenta. Der Marketingberater aus dem Nachbarort Bad Vöslau konnte Frau Pleier schnell von seinem Einfall überzeugen: „"Wenn´s nix kostet? Schaden wird’´s wohl auch nicht"“, sagte sich die Wienerin. Zu Recht wurde das Bild im Netz gefeiert. Für komm.passion Anlass, bei Frau Pleier einmal genauer nachzufragen - mit einem (kaum) überraschenden Ergebnis: 

Frau Pleier berichtete uns von einer enorm gestiegenen Bekanntheit nach Verbreitung des Bildes. Viele Leute, die an ihrem Stand am Grünen Markt in der Nähe von Wien vorbeilaufen, erkennen nun die Netz-Berühmtheit, sind begeistert von der Idee und wollen ein Foto mit ihr. Und der Abverkauf? Wie viele Erdbeeren haben Sie zusätzlich verkauft? „Leider keine einzige…, noch nicht zumindest.“ Doch da mache sie sich auch keine Sorgen, über die Aufmerksamkeit freut sie sich und auch ihr Chef ist begeistert. Übrigens, noch ein Grund mehr, mit den Kunden ins Schwatzen zu geraten. Eine Profi-Verkäuferin eben, schon seit ihrem siebten Lebensjahr, wie Sie uns stolz am Telefon berichtete.

Fazit: Kluge Idee, Stift, Pappe und viel Bekanntheit aber kein Abverkauf, keine Leads, keinen zusätzlichen Euro Umsatz.

Learnings: Wienerische Gemüse- und Obstverkäuferinnen sind extrem sympathisch, zumindest Frau Pleier. Reichweite ist nicht alles.

Frau Pleier wird die Idee trotzdem weiter verfolgen und mit Empfehlungen experimentieren. Nachahmer auf dem Grünen Markt habe Sie noch nicht entdeckt, für eine Wettbewerbsbeobachtung fehle ihr auch die Zeit, bei all den Kunden, Groupies und Gesprächen... Nur die Medien haben bei ihr noch nicht nachgefragt. Wir wünschen der tüchtigen Wienerin alles Gute und werden sie bestimmt einmal besuchen -– dann holen wir uns auch ein paar Erdbeeren, aber nur, wenn wir ein Selfie mit ihr machen können.