Leistungsschau an Ingwersüppchen

Eine kommentierende Nachlese zum Internationalen Deutschen PR-Preis 2013 in Wiesbaden

von Alexander Güttler

Für Trophähenjäger in der PR ist das Jahr bestens eingeteilt. Im Frühjahr gibt es die Awards in Berlin, im Spätsommer den Deutschen Kommunikationstag und im Frühherbst den Internationalen Deutschen PR-Preis – in Wiesbaden. Wo auch sonst.

Selbstverständlich buhlen noch weitere Veranstaltungen um die Gunst und den Glanz der deutschen Kommunikationselite. Zum Beispiel der  Politik Award oder der Deutsche Nachhaltigkeitspreis.  

Aber letztendlich sind es die erwähnten großen Drei, bei denen man sich trifft und bei denen interessanterweise neben Preisverleihung, Fortbildungen oder Diskussionsrunden vor allem eines im Vordergrund steht: Die Gala am Abend. PRler lieben die Gala am Abend.

Doch zurück zu den Awards. Zweimal im Jahr – in Wiesbaden und Berlin – werden also die besten Leistungen der Branche ausgezeichnet. Was viele an der Glaubwürdigkeit von Awards zweifeln lässt: Jurymitglieder wie Shortlist-Kandidaten sind häufig die gleichen Personen. Das ist aber gut und richtig. Schließlich sind die Ressourcen der Branche begrenzt und was gut ist, soll ruhig auch öfter öffentlich genannt werden. 

Sich Preise erkaufen kann man nicht. Als Mitglied beider Jurys in den vergangenen Jahren kann ich den Veranstaltern nur ein großes Kompliment machen. Die Bewertungen mögen mitunter subjektiv sein; sie sind aber immer von großer Ernsthaftigkeit und Engagement getrieben.

Und wer selber befangen ist, der geht während der jeweiligen Diskussion einfach aus dem Raum. Das alles funktioniert sehr gut. Auch wenn es Jahr für Jahr mitunter schwierige Entscheidungen und emotional geführte Debatten sind, aus denen die späteren Sieger am Ende hervorgehen. Das zeigt aus meiner Sicht aber vor allem eines: Das Leistungsniveau der Branche kann sich wirklich sehen lassen kann.

Wenn alle Preisträger dann prämiert und alle Fotos der glücklichen Gewinner ihren Weg auf die Facebook-Fanseiten der siegreichen Agenturen gefunden haben, endet der offizielle Teil des Abends.

Für die Mehrheit der Gala-Gäste beginnt nun der eigentliche Spaß. Denn machen wir uns nichts vor: Der zeremonielle Teil wird vom Publikum routiniert ausgesessen und anschließend im kleinen Kreis beim Rotwein ohnehin als zu kurzweilig, zu langweilig, zu laut, zu leise, zu hell oder zu dunkel beanstandet. Egal wie mehr oder minder schlagfertig das Moderatorenduo auch dieses Jahr wieder war oder wie raffiniert das Ingwersüppchen aufgeschäumt wurde.

Aber eine Gala mit Preisverleihung, ist halt eine Gala mit Preisverleihung – und wenn da vom täglich grüßenden Murmeltier oder der „same procedure as every year“ freundlich schmunzelnd gefrotzelt wird, dann ist das eigentlich gar nicht schlimm.

Denn wir wissen ja: Lästern dient dem Socialising. Und darum geht es ja schließlich. Wenn also die ersten Krawattenknoten gelöst und die ersten Damenschuhe gewechselt sind, zeigt sich warum Awards für die Branche so wichtig sind: Man tauscht sich aus, knüpft neue Kontakte oder pflegt die älteren, lernt die Köpfe hinter den Kampagnen kennen.  

Eine Branche braucht diesen Schmelz einer Gala, die anschließenden Feiern, und in Zeiten von Social Media manchmal auch das große Gepränge: Ganz einfach um für Nachwuchs wie Kunden attraktiv zu bleiben und hin und wieder ein wenig Glanz zu versprühen, den die Werber bei jedem ihrer Awards aus Kanonen schießen.

Lange waren schließlich die Werber dafür bekannt, die besseren Partys zu feiern. Aber die PR hat aufgeholt. In Sachen Geschwindigkeit, Inszenierung und einen gesunden Grad an Selbstherrlichkeit haben die Kollegen aus der Werbung aber nach wie vor die Nase vorn. Hier dürfte die PR durchaus noch ein paar kleine Überraschungen wagen.

Doch der grundsätzliche Effekt greift schon heute. Stichwort Nachwuchs. Bei den jungen Kollegeninnen und Kollegen, beispielsweise der Initiative #30unter30 des PR Report, waren die Fragen nach Smoking und Abendkleid sicherlich viel mehr als ein Randthema. Denn ihnen merkte man vor allem zwei Dinge an: Zum einen die Erinnerung daran, dass Gala-Abende ganz besondere Abende sind. Zum anderen – und viel wichtiger: Spaß an der PR.

Sich selbst feiern und zelebrieren zu können, ist ein zentraler Punkt, wenn es darum geht, Spaß an seiner eigenen Branche und seiner Arbeit zu haben. Dass solche Partys dann auch mal ausarten und Einzelne am Morgen danach fast katharische Selbstreinigungen widerfahren, gehört dann einfach dazu. Und bleibt ohnehin meist ohne Langzeitfolgen oder wird schnell wieder vergessen.

So gab es dann auch in Wiesbaden am 25. Oktober 2013 im hochherrschaftlichen Kurhaus das gewohnte „same procedure“: gute Arbeiten, glückliche Preisträger, mehr oder minder schlagfertige Moderatoren, raffinierte Ingwersüppchen und eine anständige Party nach der Show.

Vor rund 20 Jahren stand ich neben einem prominenten Werber auf einer großen Gala, der abfällig eine kleine PR-Delegation als „Säcke in der Ecke“ bezeichnete. Die gute Nachricht: Der Fehdehandschuh wurde erfolgreich angenommen. PR kann Party machen. Denn eine Branche, die sich selbst nicht feiern kann, wird auch nicht von anderen gefeiert.