PR Volontariat – Karriereboost oder Berufseinstieg zum Freundschaftspreis?

Trainee-Programme und Volontariate sind für viele Hochschulabsolventen der Einstieg ins PR-Berufsleben. Aber ist es wirklich fair, dass Absolventen nach abgeschlossenem Studium nochmal in die Lehre gehen? Am Donnerstag diskutierten dazu Nico Kunkel, Prof. Thomas Pleil und komm.passion CEO Prof. Dr. Alexander Güttler online via Google+ Hangout.

„Welche Berechtigung hat bei praxisbezogenen Studiengängen das PR Volontariat?“, wollte Nico Kunkel, leitender Redakteur beim Branchenjournal PR Report an diesem Donnerstag von Professor Thomas Pleil und komm.passion CEO Prof. Dr. Alexander Güttler wissen.

„Schul- und Studienzeiten werden kürzer, Berufseinsteiger immer jünger. Diese sind nicht annähernd darauf vorbereitet, was sie in der richtigen Welt erwartet“, begründet Güttler die Notwendigkeit von Trainee-Programmen im Anschluss an das Studium. Denn auch nach praxisnaher Hochschulausbildung müssen Berufseinsteiger Fähigkeiten erwerben, die auf keinem Lehrplan stehen: psychologische Kundenführung, kaufmännische Tätigkeiten oder der die Einteilung von eigener Arbeitszeit. Auch fachlich gibt es häufig Aufholbedarf: mit Blick auf den wirklichen Praxisbezug von in der Hochschule gelernten Inhalten.

Dazu kommt: Ein PR Volontariat bietet jungen Berufseinsteigern einen „Schonraum“, in dem sie noch nicht voll verantwortlich sind und von erfahreneren Beratern lernen können. „Viele junge Leute profitieren von einer solchen Phase“, sagt Güttler.

Thomas Pleil, Professor für Public Relations in Darmstadt, berichtet von den Erfahrungen seiner Studenten, die in ihrem Studien Schreibtrainings, Lehragenturen und Praxismodule absolvieren und es als ungerecht empfinden, den Berufseinstieg als Lehrlingsphase absolvieren zu müssen – während sie als Volontär entsprechend weniger Geld verdienen als z.B. Junior Berater. Schließlich qualifiziert der Bachelorabschluss in anderen Branchen auch zum direkten Berufseinstieg – wie z.B. bei Ingenieuren.Den gesamten Hangout gibt es hier:

Ein Kompromiss, auf den sich beide Diskutanten aus Lehre und Praxis einigen konnten: Ein PR-Volontariat ist trotz praxisnahen und spezialisierten Studiengängen weiterhin sinnvoll. Denn es wird immer unterschiedlich erfahrene oder talentierte Berufseinsteiger geben, die unterschiedlich stark von Anlernphasen profitieren.

Immer unter der Voraussetzung, dass PR-Volontariate von Agenturen und Unternehmen auch wirklich zur Förderung von jungen oder unerfahrenen Kollegen eingesetzt werden. Zum Beispiel durch das Schaffen und Einfordern von Weiterbildungsangeboten oder Mentoring-Progammen – und nicht um Kosten zu drücken.

Ein Schlüssel hierzu: Die flächendeckende Standardisierung von PR-Volontariatselementen. Dadurch soll den „schwarzen Schafen“ die Basis entzogen werden, Hochschulabsolventen als Volontäre einzustellen, aber nicht entsprechend zu fördern.