komm.passion-Dossier 09/2014

Personalisierte Medizin: One-fits-all war gestern

Die neue Richtung der medizinischen Versorgung ist klar: Weg vom bisherigen „One-fits-all“-Prinzip und hin zu einer personalisierten Behandlung bestimmter Patienten-Subgruppen. Doch wie plant man die beste Route, wenn der kommunikative Weg steinig ist? Strategische und kommunikative Lösungen sind erfolgskritisch, denn es wird im Gesundheitsmarkt auch Kannibalisierungen geben.

Schon heute Realität

Harald B. hat Darmkrebs. Medikamente mit den Wirkstoffen Cetuximab oder Panitumumab können nur wirken, wenn das Gen KRAS noch unmutiert ist. Das ist bei etwa 60 Prozent der Patienten der Fall. Der Onkologe von Harald B. stellt mittels Gentest fest, ob die Medikamente für ihn in Betracht kommen. Harald B. hat Glück. Er kann mit den Medikamenten behandelt werden.

Die Personalisierte, mitunter auch Stratifizierte Medizin genannt, ist längst in der Realität angekommen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und das Universitätsklinikum Heidelberg verfolgen das Ziel, ab dem Jahr 2015 jedem Patienten im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) eine Erbgutanalyse und darauf aufbauend eine individuelle Therapieempfehlung anzubieten - zunächst im Rahmen klinischer Studien, später als erstattungsfähige Leistung in der Regelversorgung. Um diese Entwicklung zu beschleunigen, arbeiten DKFZ und NCT mit führenden Technologieunternehmen zusammen.

So erstellt die GATC Biotech AG für das Projekt Genomsequenzdaten unter zertifizierten Bedingungen. Von der SAP AG kommt die innovative In-Memory Technologie SAP HANA zur Echtzeitanalyse und zum Management großer Mengen von Patientendaten zum Einsatz. Die Molecular Health GmbH erstellt mit Hilfe ihrer Software TreatmentMAPTM für jeden Patienten eine individuelle Tumordatenanalyse und liefert die Interpretation der genomischen Patientendaten im klinischen Kontext. Das Resultat ist eine zielgerichtete Therapieempfehlung an die behandelnden Ärzte.  

Code des Lebens heute günstig lesbar

Dass Erbgutanalysen als „Routine-Anwendungen“ in greifbare Nähe rücken, ist dem rasanten Fortschritt der Sequenzier-Technik zu verdanken. Im Januar 2014 stellte der Weltmarktführer für Sequenzier-Robotor, die Firma Illumina, das bislang leistungsstärkste Lesegerät vor. Es kann die drei Milliarden Bausteine des Erbguts eines Menschen für nur 1.000 Dollar decodieren. Die Entschlüsselung der ersten Menschen-DNA hatte rund eine Milliarde Dollar gekostet und war aufwendige Handarbeit. Heute übernehmen Roboter diese Arbeitsschritte. Sie verteilen das Erbgut automatisch an Tausende winzige Reaktionsgefäße. Dort werden viele kurze Abschnitte der DNA parallel entschlüsselt. Ein Computer fügt die  Bruchstücke anschließend wie Puzzleteile zusammen. Die Lesezeit für einen Erbgut-Satz sank durch diese Technik von mehreren Wochen auf wenige Stunden. Durch diese Innovation werden immer mehr Medikamente, vor allem in der Onkologie, nur noch in Verbindung mit begleitenden Diagnoseuntersuchungen – Fachbegriff „Companion Diagnostics“ – zugelassen.

Hand-in-Hand arbeiten

Die neue Richtung der medizinischen Versorgung ist klar: Weg vom bisherigen „One-fits-all“-Prinzip und hin zu einer personalisierten Behandlung bestimmter Patienten-Subgruppen. Doch wie plant man die beste Route, wenn der kommunikative Weg steinig ist? Strategische und kommunikative Lösungen können auf Healthcare spezialisierte Agenturen wie komm.passion bieten. Eine vernetzte Kontaktarbeit ist für eine flächendeckende Einführung unabdingbar, damit die Forschung, Pharmaindustrie, Politik und Gesundheitsverbände zusammenarbeiten. Sicherlich wäre es illusorisch zu glauben, alle Märkte wie Biotech, Molekulardiagnostik und Pharma würden gleichzeitig sprunghaft wachsen können. Es wird auch Kannibalisierungen geben. Neben einem Hand-in-Hand-Arbeiten, bieten sich auch öffentliche Plattformen an, um das umfangreiche Thema medial aufzugreifen:

  • - PerMediCon
  • - Biotechnica
  • - Personalized Medicine Conference
  • - Jahrestagung der Molecular Diagnostics Summit Europe

Auch wichtige Fragen sind zu adressieren: Erhöht die Personalisierte Medizin den Bedarf an Spezialisierung? Kann Personalisierte Medizin zu einer Nettoreduktion der Gesundheitsausgaben angesichts des demografischen Wandels führen? Welche Haftungsfragen gilt es für die Ärzteschaft zu klären? Welche Aufgabe und Pflichten muss der Patient im Rahmen der Personalisierten Medizin übernehmen?

Sicher ist: Personalisierte Medizin wird die Ergebnisqualität medizinischer Versorgung zum Vorteil des Patienten verbessern und damit die Effizienz des Gesundheitswesens steigern. Der zur Verfügung stehende Euro für Gesundheit wird wahrscheinlich auch in Zukunft vollständig ausgegeben werden, nur eben sinnvoller und zum besseren Nutzen für den Patienten.

Hier Kontakt zum Autor aufnehmen!
Carolin Lembeck • komm.passion GmbH
Telefon: +49 (0)40.423 240-52
carolin.lembeck(at)komm-passion(dot)de

Jelena Mirkovic • Geschäftsführerin
Telefon: +49 (0)40.423 240-83
jelena.mirkovic(at)komm-passion(dot)de