PAS-Studie zeigt, wie die Fans der Spitzenkandidaten ticken

NRW-Wahl: Wer mag wen und was?

Die große Koalition in NRW kann kommen. Dies gilt zumindest, wenn es nach den Anhängern der Spitzenkandidaten von SPD und CDU geht. Sie sind sich auffällig nahe. Das zeigt eine aktuelle Studie der Pragmatic Analytic Services (PAS), einer gemeinsamen Initiative der Unternehmens- und Kommunikationsberatung komm.passion und Data.Science.Consulting. Die Studie liefert Einsichten in die Lebenswelten der Fans von Kraft und Kontrahenten – und damit in das Wählerklientel. Die Klicks bei Facebook bestätigen Klischees; zeigen aber auch, dass Unterschiede oft in Nuancen liegen.

Wie ticken die Fans?

Mit ihren „Likes“ offenbaren die Anhänger der Spitzenkandidaten von SPD, CDU, FDP, Grünen, Die Linke und AfD, wer sie sind. Unverfälschter und unmittelbarer als in jeder Befragung. PAS hat daraus die Lebenswelten der Fans von Kraft und ihren Kontrahenten mithilfe komplexer mathematischer Algorithmen entschlüsselt und bildet so das „soziale Genom“ ab.

Frau und Herr Biedermann bitten zur Urne

Auch wenn das TV-Duell zwischen Hannelore Kraft und Herausforderer Armin Laschet – selbstverständlich – kein harmonisches Plauderstündchen war, die Anhänger könnten miteinander auskommen, ohne sich die Köpfe einzuschlagen. Beide zeichnen sich durch Freude an der Norm, Familiensinn und wenig „exotische“ Vorlieben aus.

Die Laschet-Befürworter heben den Daumen beim Freizeitpark Phantasialand, bei „Einfach Tasty“, der Bundeswehr oder auch schlicht bei „Familie“. Krafts Gefolgschaft gefällt „Familie“ ebenfalls, zudem „Kindheitserinnerungen“ und Horst Lichter. Zwar sind die Fans von Laschet erwartungsgemäß weitaus konservativer – sie bekennen sich sehr häufig zu „katholisch“ oder „The Britisch Monarchy“ – aber auch die Kraft-Fans können mitreden, wenn es um Promis geht. Schließlich „liken“ sie überdurchschnittlich oft die People-Magazine „InTouch“ und „Bunte“. Der christlichen Ökumene steht zwischen den Fans nichts im Weg. Denn auch den Kraft-Anhängern ist Religion nicht gleichgültig. Immerhin belegt „evanglisch.de“ bei ihnen Rang 113 der Vorlieben-Liste, die mehrere Tausend Möglichkeiten erfasst.

Himmlische Höhen und irdische Freuden

Während dem Laschet-Fan sein Heil im Himmel recht sicher scheint, pocht der Kraft-Anhänger eher auf die soziale Verantwortung hier auf Erden. Die Arbeiterwohlfahrt, Aktion Deutschland hilft, Amnesty International, der WWF, Greenpeace und Digitale Lichterkette gehören zu den Favoriten. Überhaupt ist der Kraft-Sympathisant fest im Diesseits verwurzelt. Das zeigt sich in einer Neigung zu allen Themen rund um Konsum.

Auffällig viele „Likes“ für Lidl, Aldi, Tchibo und Kaufland? Dahinter stecken oft die Anhänger von Hannelore Kraft. Preisbewusst und konsumfreudig sind die Fans. Klar, sie mögen auch eBay und Guido Maria Kretschmer. Marken mit einem bodenständigen Image gefallen den Freunden der einstigen „Malocher-Partei“ – beispielsweise Ford, Renault oder Kia; statt Apple „liken“ sie Samsung.

Die Fans von Laschet geben sich im Vergleich „gediegener“. Sie trifft man eher in der Bundeskunsthalle und im Museum als beim Discounter. Bei der Lektüre favorisieren sie die FAZ statt des Internetmagazins „Heftig“. Auch Tennis und Handball stehen bei den Laschet-Freunden hoch im Kurs.

Zusammen Spaß haben? Für CDU- und SPD-Fans nicht ganz einfach.

Beim Spaßfaktor setzen die Fans von Kraft und Laschet unterschiedliche Akzente. Ob es am Vornamen liegt? Fakt ist: Überdurchschnittlich viele Menschen, die Hannelore liken, denken auch gleich das Heino mit – und finden „Schlager Planet“ toll. Außerdem mögen ihre Fans Jan Josef Liefers, Jürgen von der Lippe und Carolin Kebekus. Der Laschet-Fan dagegen lacht über Dieter Hallervorden, Til Schweiger und Helge Schneider. Gerne geht er auch in die Düsseldorfer Altstadt – alles nichts, an dem der jeweilige Kontrahent allzu viel Anstoß nehmen sollte. Nicht sonderlich ausgefallen sind auch die Helden der schwarzen und roten Anhängerschaft. Die Fans des CDU-Kandidaten bewundern überdurchschnittlich oft den deutschen Astronauten Alexander Gerst. Die Kraft-Gemeinde lässt sich schon von etwas irdischerer Leistung beeindrucken und schwärmt besonders für Eckard von Hirschhausen.

Exemplarisch: Das soziale Genom der Fans von Hannelore Kraft

Social Media Analytics liefert ein differenziertes und hochauflösendes Abbild der Lebenswelt des Kunden bzw. Fans einer Marke. In diesem exemplarischen Fall ist die Marke eine Person: NRW Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

Gewissenhafte Kümmerer: Die Löhrmann-Anhänger

Gewissen und Gefallen gehören für die Löhrmann-Fans zusammen. Sie „liken“ eine Vielzahl von Umwelt- und Verbraucherschutzthemen: Die deutsche Umweltstiftung, Ecosia, foodwatch, Greenpeace, Fairtrade, Nachhaltigkeit oder Stiftung Warentest. Auch wenn es um soziale Fragen, Demokratie und Transparenz geht, heben sie den Daumen, beispielsweise bei „Wir haben es satt“, Avaaz, Grundeinkommen, Abgeordneten Watch, Flüchtlingshilfe, Pro Asyl, Stolpersteine oder Amnesty International.

Und zur Unterhaltung? Die Vorlieben der Löhrmann-Fans: Der typische Löhrmann-Fan bohrt keine dünnen Bretter. Philosophie oder Yoga sind angesagt. Auch die „Nach Denk Seiten“ und der Dalai Lama finden Anklang. Dass sich unter den „Top-Likes“ dieser Fans keine Automarken und Konsumgüter finden, versteht sich von selbst. Stattdessen outen sich die Fans als FlixBus-Fahrgast, Radfahrer und Deutschlandfunk-Hörer. Informationen beziehen sie vorzugsweise aus der taz. Aber auch das Zeit-Magazin, SZ-Magazin, den Tagesspiegel oder Arte TV finden ihre Zustimmung. Zum Lachen taugt für sie nichts Seichtes. Wenn schon, dann bitte böse Polit-Satire – in der Titanic, bei Extra3 und im Postillion.

Mit seinen „Likes“ beweist der Löhrmann-Fan Haltung - und ist damit auf einer Wellenlänge mit dem Wahlkampf der NRW-Grünen. Nur: Haltung ist eine recht starre Position.

Der Lindner-Fan: Ich-Mensch mit Aufstiegsambitionen

Wer wissen will, was Dynamik ist, muss sich die Fans von Christian Lindner ansehen. Aufstiegswillen, Freude an Fortschritt und lässiger Luxus sind das, worauf sie abfahren. Die Analyse der „Fan-Base“ von Lindner lässt die Assoziation aufkommen, hier handle es sich um den halbstarken und ziemlich coolen Sohn des angegrauten Paares Kraft-Laschet. Mit Bedenkenträgern und Kümmerern wie den Grünen hat er kaum etwas gemein. Der Lindner-Fan liebt das Außergewöhnliche. Müsste man ihn malen, dann als hippen Anzugträger im schnellen Auto.

Kirche und Familie sind für ihn nicht wichtig. „Evangelisch.de“ findet sich erst auf Rang 545, katholisch auf Rang 268 unter den Facebook-Favoriten. Zum Vergleich: Bei den Laschet-Fans steht das konfessionelle Bekenntnis zu den Katholiken auf Rang 14. In wirtschaftlichen Belangen dagegen ist dieser Fan stets up to date. Seine Lektüre reicht von „The Economist“ über „manager magazin“ und „Handelsblatt“ bis hin zum „Harvard Business Manager“.

Während der Lindner-Fan in Wirtschaftsdingen keinen Spaß versteht, wird der Rest der Realität gerne im Zerrspiegel der Satire betrachtet. Das Satiremagazin „Der Postillion“ ist für ihn zentrale Lektüre. Die Comics von Ralph Ruthe und frische Comedy à la Carolin Kebekus oder ZDF neo treffen seinen Geschmack. Er mag Porsche, Urlaub auf Sylt, Leonardo DiCaprio und Start-ups. Auch wenn die Lindner-Fans der CDU nahestehen, beindrucken sie unorthodoxe Köpfe, die sich vom Mainstream abheben. Da gibt es für sie auch keine Parteienbindung – von Trump und Seehofer über Gysi und Wagenknecht bis zu Petry und zu Guttenberg reicht die Spannbreite der Politiker, die sie „liken“.

Ihre Devise: „Hauptsache cool“. Der Lindner-Fan sieht sich als freiheitsliebendes erfolgreiches Unikat. Die Wahlprognosen lassen vermuten, dass genau dieses Lebensgefühl bei einem beträchtlichen Anteil der NRW-Wähler auf Resonanz stößt.

AfD-Fans: Außen „anti“, innen harmoniebedürftig

Während bei den FDP-Anhängern das „Für-etwas-Sein“ dominiert, ist es bei den Fans der AfD das „Gegen-vieles-Sein“. Die „Fan-Base“ des AfD-Spitzenkandidaten Marcus Pretzell zeichnet sich dadurch aus, dass man hier vor allem Kontra gibt. In erster Linie gegen das Establishment. So „liken“ die Fans „Nato-Austritt“ ebenso wie „Grüne? Nein Danke“; „Lügenpresse“ und Geert Wilder genau wie Donald Trump oder Marine Le Pen. Eher ein Schmankerl ist ihre besondere Vorliebe für die Unterhaltungsseite „LikeMichAmArsch“, ein Sammelsurium von Witzchen.

Kraft kommt bei ihnen an. Nein, nicht die von der SPD, die halten sie für genau so „blöd“ wie alle anderen etablierten Parteien. Sie mögen die Kraft und Power, für die Extremsportler Felix Baumgartner steht. Auch der „American Way of Life“ – verkörpert durch Harley-Davidson – findet ihren Zuspruch. Aber noch viel lieber als über den großen Teich schauen die Pretzell-Fans nach rechts. Die rechtsextreme „Identitäre Bewegung“ gefällt ebenso wie Pro NRW.

In den eigenen vier Wänden dagegen mag es der AfD-Fan harmonisch. Er bekennt sich zu Familie, steht auf Tierschutz, lässt sich berieseln vom Frühstücksfernsehen, lacht über Otto Waalkes und hört Schlager.

Fans der Linken: „die Denker“

Wesentlich anspruchsvoller ist die Unterhaltung bei den Fans von Özlem Demirel, der Spitzenkandidatin der Linken. Sie „liken“ (ebenso wie Anhänger der Grünen) nicht nur die „Nach Denk Seiten“, sie stehen auch auf Richard David Precht, Albert Einstein und Günter Wallraff. Denken und Lesen gefällt. Zu ihrer Lektüre gehören – erwartungsgemäß – vor allem die sozialistische Tageszeitung „Neues Deutschland“ und die linke Wochenzeitung „Der Freitag“. Taz und Tagesspiegel folgen weit abgeschlagen.

Will sich ein Linker amüsieren, geht er nicht in den Keller, sondern ins Kabarett. Gelacht wird auch über Satire im „Postillion“ und über Klassiker wie Loriot oder Dieter Hallervorden. Die „Helden“ dieser Fans sind Sängerin Nina Hagen und Politaktivist und Star-Trek-Schauspieler George Thakei. Die Demirel-Anhänger engagieren sich natürlich auch selbst. Für soziale Gerechtigkeit („Gegen Hartz IV“) ebenso wie für Natur- und Umweltschutz (BUND Jugend). Und: Sie mögen die SPD.


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Pragmatic Analytic Services (PAS) ist eine gemeinsame Initiative der Unternehmensberatung und Kreativagentur komm.passion und Data.Science.Consulting. komm.passion-CEO Prof. Dr. Alexander Güttler und Dr. Klaus Holthausen, CTO von Data.Science.Consulting, setzen sich mit PAS für eine neue Form effizienter, schlanker und punktgenauer Business-Analyse ein. PAS orchestriert nicht nur alle gängigen Analysemethoden, sondern bietet exklusive Tools wie die Social Media Analytics. Diese Online-Marktforschung liefert ein hochauflösendes Abbild der Lebenswelt der Marken-Fans. Sie zeigt, welche Vorlieben Marken-Fans im Social Web haben, indem sie deren Like-Angaben auswertet. Ein KI-Algorithmus entwirft das „soziale Genom“ der Zielgruppe als detaillierte Typologie.

 

 

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